Aus einem Gewächshaus wird ein Solartrockner

Wir haben unserem Geldgeber versprochen, für die Weiterverarbeitung von Obst und Gemüse etwas Neues zu erproben, z.B. einen Trockner. Jetzt steht ein kleines Gewächshaus auf der Farm und die ersten Papayafrüchte wurden innerhalb von zwei Tagen getrocknet. Das Ergebnis: leckere Trocken­früchte gibt es jetzt in Andalamengoke und damit die Möglichkeit, einen Teil der Papaya- und Mangoernte zu konservieren und im Laufe des Jahres zu verkaufen.

Wir haben das Problem schlichtweg unterschätzt bzw. uns nicht vorstellen können, dass unsere junge und dynamische Projektleiterin Yvette auf den beiden Versuchsfeldern jeweils 100 Mango- und 100 Papayabäumchen pflanzen wird. Hat sie aber und wenn auch bei den Mangopflanzen ein Insekt das Wachstum zeitweise behinderte, so ist die Menge an großen Papayafrüchten, die die Bäumchen jetzt schon hervorbringen, eine Herausforderung. Schon lange hatten wir über Trockner nachgedacht und uns im Internet über Solartrockner schlau gemacht. Der Tunneltrockner, der an der Uni Hohenheim entwickelt wurde, fand unseren größten Gefallen, doch durch einen Anruf beim Hersteller, die Fa. Innotech, wurden wir schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeworfen, denn bis ein solcher Trockner vor Ort aufgebaut ist muss ein niedriger 5-stelliger Betrag aufgebracht werden.

Die Problemlösung wurde erst einmal verschoben, aber der Hilferuf aus Madagaskar, dass an den Papaybäumchen ca. 2.000 Papayafrüchte im Herbst geerntet werden können, weckte uns unsanft. Wir wußten immerhin, dass man Papaya zwar zu Saft und  Marmelade weiterverarbeiten kann.  Aber - und davon wußte die Dorfgemeinschaft bisher noch nichts, kann man die Papayafrucht auch trocknen. Und diese Möglichkeit der Weiterverarbeitung wollten wir den Dorfbewohnern zeigen.

Neben dem Tunneltrockner gibt es auch den Schranktrockner und diese besondere Form hat mich angeregt, ein Gestell zu bauen, auf dessen Netzböden die Fruchtscheiben zum Trocknen ausgelegt werden. Damit die Insekten sich nicht über das leckere Obst hermachen muss das Regal eingehaust werden und die Schülergruppe in Velbert hatte zu Testzwecken auch ein kleines Regal gefertigt.   Aber bei einer überschlägigen Berechnung, wieviel Trockenfläche 1000 Papayafrüchte benötigen, schieden die kleinen Schranktrockner aus, denn es durfte kein Holz verwendet werden, die Termiten fressen das schneller weg als sie gebaut werden können. Es mußte also schon ein dünnes Blech verwendet werden. Am besten eignet sich zwar Blech aus Edelstahl, aber das ist relativ teuer und in Madagaskar nicht zu bekommen.

Beim Blättern in den Frühjahrskatalogen entdeckte ich diverse Gewächshäuser und es dämmerte mir in diesem Augenblick, dass ein Trockenregal am besten in einem Gewächshaus aufgehoben wäre, denn es bietet reichlich Platz da die Flächen in mehreren Etagen eingerichtet werden können. Also war die Aufgabenstellung langsam klar: ein stabiles Gewächshaus aus nicht-rostendem Aluminium, die Wände aus Polycarbonat-Hohlkammerplatten. Darin wird ein Regal eingebaut, welches aus Winkelprofilen für ein Regalsystem zusammengebaut wird, das ermöglicht höchste Flexibilität. Und zum Schluss werden Edelstahlgitter (Foliengitter) darübergelegt. Durch diese Regalbautechnik können 4 qm in einer Ebene geschaffen werden und 10 Ebenen sollten möglich sein, also 40 qm insgesamt.

Bisher wird auf natürlichem Wege getrocknet, aber das soll geändert werden, denn der Einbau eines Ventilators ist geplant, der warme Luft in das Gewächshaus einbläst. Bei hohem Luftdurchsatz (10 - fach) sollten am Tagesende die Obstscheiben getrocknet sein. Eine kleine Firma liefert eine solarthermische Einheit, welche warme Luft erzeugt und das eingebaute Solarmodul liefert den Strom für den Ventilator.

                                                                             

Aber auch in diesem halbfertigen Zustand ist das Trocknerhaus eine kleine Sensation, für die Dorfbewohner wurden regelrecht Führungen  durchgeführt und ein solches Ereignis muss gebührend gefeiert werden.

Wir sind gespannt ob sich diese Investition lohnen wird. Und noch ist nicht klar, wie das getrocknete Obst am besten verpackt wird, da warten wir noch auf Ideen (oder gerne auch Vorschläge).