Brief aus Kenia

Weihnachtsbrief Kenia 2018

Liebe Freunde und Unterstützer

In diesem Jahr bin ich das erste Mal seit langem in der wärmeren Jahreszeit in Kenia. Dadurch bleibt mir auch ein Teil des Winters in Deutschland erspart. Aber sicher ist noch genug übrig für einen Temperaturschock, wenn ich Mitte Februar wieder zurückfliege. Hier hat sich die Regenzeit länger als erwartet hingezogen; sehr zur Freude derer, die im Oktober ihre Felder bestellt haben. Schon nach der April Regenzeit war die Ernte in einigen Teilen des Landes außerordentlich gut. Das Gleiche darf jetzt für Februar erwartet werden. Ich kann miterleben, wie Mais, Bohnen, Hirse und Cowpeas, die Mugo auf meinem Stück Land angebaut hat, wachsen und gedeihen. Er muss ein zusätzliches Lager bauen für die Maispflanzen, die nach der Ernte der Maiskolben als Futter für die Kühe dienen.

Im September kam mir die Idee, dass ich im ehemaligen Haus unseres Projektpartners Mugo auf dem Gelände unserer Tischlerwerkstatt wohnen könnte, statt drei Monate bei seiner Familie zu verbringen. Mugo gefiel die Idee und er begann umfangreiche Baumaßnahmen, denn in Zukunft sollen sich dort auch Besucher wohlfühlen und übernachten können. Das alles hat jedoch viel mehr Zeit in Anspruch genommen als erwartet. Aber ich will noch vor Weihnachten umziehen. Ein weiblicher Lehrling aus unserer Ausbildungswerkstatt soll mir dort Gesellschaft leisten und auch übernachten. Und zu meiner Sicherheit soll ich den Hund mitnehmen. Selbst eine Katze, die das Gelände frei von Mäusen hält, wurde mir empfohlen. Ich bin mal gespannt, wie das wird. Mein Zimmer ist schon recht wohnlich eingerichtet. Und am Zaun um das Grundstück habe ich Zitronengras, Physalis und Passionsfrüchte gepflanzt. Als nächstes will ich einen Gemüse- und Kräutergarten anlegen. Dabei berät mich Micheni, ein guter Freund Mugos, der ein umfangreiches Wissen über Heilpflanzen und ihre Verwendung hat.

Der Ort Gaketha, in dem Mugo wohnt, ist zwar recht klein und ärmlich, hat aber eine Besonderheit. Er grenzt an einen Teil des Mount Kenia Waldes (und Nationalparks), in dem Waldelefanten zu bestimmten Zeiten ihre Jungen zur Welt bringen. Auf der Straße durch den Wald kann man ihnen dann begegnen. Bei meinen bisherigen Besuchen habe ich sie nie zu sehen bekommen, aber diesmal hatte ich schon zweimal Glück. Autos gehen sie gewöhnlich aus dem Weg, aber Motorradfahrer und Fußgänger halten lieber Abstand, denn die Tiere greifen auch an, um ihre Jungen zu verteidigen.

Anfang Dezember haben die Azubis im ersten Lehrjahr ihre Abschlussprüfungen abgelegt. Externe Prüfer aus anderen Teilen Kenias wurden von der National Industrial Training Authority (NITA) geschickt, um die theoretischen und praktischen Leistungen der jungen Männer und Frauen in den Bereichen Metallverarbeitung, Elektro- und Sanitärinstallation zu beurteilen. Sie waren sehr beeindruckt von den Ergebnissen und auch von der guten Ausstattung unserer Werkstatt.

Die Prüfungen für das zweite Lehrjahr werden im April 2019 stattfinden. Ab Januar sollen auch Tischler und Maurer ausgebildet werden. Unsere Trainer sind schon in der Woche vor Weihnachten unterwegs, um an verschiedenen Orten Werbe- veranstaltungen durchzuführen. Glücklicherweise konnten wir ja mit Mitteln der BINGO Umweltlotterie ein Projektfahrzeug, einen Toyota Probox, anschaffen. Das erleichtert die Arbeit ungemein. Außerdem ist es ökonomischer, denn das Mieten eines Fahrzeugs ist verhältnismäßig teuer. Auch die Preise für öffentliche Transportmittel sind nach dem Anstieg der Benzinpreise stark erhöht worden.

Die Bezirksregierung der Provinz Tharaka-Nithi, in der unsere Ausbildungswerkstatt liegt, hat sich in diesem Jahr das Thema Sicherung der Lebensmittelversorgung auf die Fahnen geschrieben. Hier nennt man das Value-Addition. Wir liegen daher mit dem Bau und dem Einsatz von Solartrocknern voll im Trend. Eine Mitarbeiterin unserer NGO Mount Kenya Integrated Community Development Organisation trocknet unter anderem Cassava, Kürbisse, Bananen und Cowpea Blätter. Diese werden dann vorort in einer Mühle, die hier posho mill genannt wird, gemahlen und anschließend von uns verpackt. Unser Projektpartner Mugo hat neben der Küche und dem Büro im Ort Karinga nga Nkoru, wo auch die Unterkünfte für die Lehrlinge sind, einen Lagerraum angemietet. Von dort werden die Produkte verkauft. Vor kurzem bekamen wir Besuch von Hauswirtschaftsstudenten der Kenyatta Universtät in Nairobi und ihren Dozenten: Zwei Busse mit 120 Leuten, denen man unser Institut als anschauliches Beispiel empfohlen hatte. Nachdem sie von unseren Trainern herumgeführt worden waren, kauften sie fast alle Lagerbestände auf. Aber auch hier in der Gegend ist die Nachfrage ist groß. Einem Hotel und den Supermärkten in der Provinzhauptstadt Chuka sowie dem Krankenhaus in Chogoria sollen wir größere Mengen liefern. Allerdings müssen wir die Produkte erst durch eine Behörde – KEPS – zertifizieren lassen. Das soll sobald wie möglich passieren. Bis dahin können wir unsere Pulver nur im kleinen Rahmen unter die Leute bringen. Aber wir sind schon auf der Suche nach Lieferanten für die benötigten Rohstoffe. Wir besuchen Frauengruppen und regen sie an, Kürbisse, Cassava usw. anzubauen und an uns zu verkaufen. Die Frauen nehmen unser Angebot dankbar an, denn bisher hatten sie keinen Markt für ihre Produkte und haben deshalb auch kaum mehr als für den Eigenbedarf angebaut. So haben beide Seiten einen Gewinn. Später sollen die Gruppen auch die Möglichkeit erhalten, die geernteten Produkte direkt vorort zu trocknen. Ein weiteres Problem ist, dass die örtliche Mühle für ihre Dienste verhältnismäßig hohe Preise verlangt. Wir brauchen daher unbedingt eine eigene Mühle. Das ist sozusagen unser Weihnachtswunsch.

Für die nächsten beiden Monate in Kenia habe ich mir noch einiges vorgenommen. An meinem neuen Wohnhaus bei unserer Holzwerkstatt soll ein Demonstrationszentrum entstehen. Dort sollen dann energiesparende Kocher – einschließlich Solarkocher – vorgeführt werden. Wir wollen längerfristig auch Kurse zum Anlegen von Küchen- und Kräutergärten und zur Verwendung von Heilkräutern durchführen. Auch eine Lehrerausbildungseinrichtung hat mich eingeladen, ihre Studenten in den Themen zu beraten. Und in Westkenia bei Kisumu, wo es viel mehr Sonnenstunden gibt als hier am Mount Kenia, will ich einige Gruppen besuchen, die sich schon mit der Nutzung von Solarkochern vertraut gemacht haben. Einen Kurzurlaub an der Küste in Mombasa habe ich eigentlich auch noch auf dem Programm, mit unserem Projektleiter Mugo und seiner Frau. Er hat sich die letzten Jahre unermüdlich für unsere gemeinsamen Ziele eingesetzt und ohne Unterbrechung gearbeitet. Ohne ihn und seine Mitstreiter hätten wir unser vorbildliches Projekt nicht aufbauen können. Großen Anteil haben aber auch meine Projektpartner in Deutschland Hans-Georg Klaphake, Alois Plüster und Jörn Schaube, die die Finanzierung des Projektes durch das BMZ und weitere finanzielle Unterstützung organisiert und in Kenia Fortbildungen unserer Trainer durchgeführt haben. Ganz herzlich möchte ich mich an dieser Stelle bei all denen bedanken, die unsere Arbeit im vergangenen Jahr durch Spenden unterstützt haben. Besonders hervorheben möchte ich die Kinder, Eltern und Freunde der Boy-Lornsen-Grundschule in Brunsbüttel, die bei ihrem Spendenlauf zur finanziellen Unterstützung unserer Auszubildenden einen stattlichen Betrag zusammenbekommen haben; und meine KollegInnen, die mir den Einstieg in den Un-Ruhestand mit einer Spende für unser Projekt versüßt haben.

Allen ein herzliches Dankeschön, ein besinnliches Weihnachtsfest und alles Gute für das neue Jahr.

Liebe Grüße (im Namen aller Mitstreiter)